Hexacopter Eigenbau: setup / Teile?

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    • Hexacopter Eigenbau: setup / Teile?

      Hallo allerseits!
      Im Thema Copter bin ich neu, technisch / elektronisch /funktechnisch aber halbwegs fit.
      Einen Hexacopter würde ich gern bauen, eine Weile schaue ich mich schon im Netz und hier um.
      Es fliegen viel Produktbezeichnungen herum, mit denen ich nix anfangen kann, teilweise sind Sachen älter und schon obsolet. Vll. könnt ihr mir ein paar tips geben?
      Lastenheft:
      - eine Last befördern und ausklinken (Pilotseil für Drahtantennen)
      - alternativ ein Kamerasystem einsetzen (Segelsport, Berg, etc.)
      - leise, effizient
      - darf langsam sein
      - ordentliche Flugdauer, Reserven bei Böen/ etwas Wetter
      - keine DJI - Steuerung

      Einen leichten Rahmen aus Alu werde ich selbst bauen. Die Ausgaben für das Projekt sollten "medium" bis "medium rare" bleiben.
      Mindestens Propeller, Motor und Antriebsregler würde ich gern als Paket kaufen. Gern mit einem kompatiblen Flug-contoller. GPS: ja.
      In der Propellergröße bin ich nicht beschränkt, ist 7" das Maximum?

      Dank vorab für alle Einlassungen und Zurechtweisungen... :D
      wg
    • Mh. Ich ahne, was hier vielen Usern auf der Zunge liegt, deshalb erwähne ich es direkt am Anfang:

      Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) wrote:

      § 13 Abwerfen von Gegenständen oder sonstigen Stoffen
      (1) Das Abwerfen oder Ablassen von Gegenständen oder sonstigen Stoffen aus oder von Luftfahrzeugen ist verboten [...]
      Da wir das geklärt haben und keiner gerne auf Rechtsthemen rumkaut, zum technischen Teil:
      Brauchst du wirklich einen Hexakopter? Also aufgrund der Ausfallsicherheit bei Rotorausfall? Andere Gründe?
      Hexakopter sind alles, aber nicht schnell oder wendig und in meinen Augen - außer in ganz speziellen Fällen - ein Auslaufmodell, was durch andere Technik deutlich besser zu ersetzen ist. Hat man Früher mal gebaut, mittlerweile kaum noch.
      Nimm lieber einen Quadcopter oder einen Octocopter mit zwei gegenläufigen Motoren pro Motorarm (nur vier Arme), wenn du besonders schwere Lasten befördern musst. Viel stabiler, agiler und allgemein bessere Performance.

      Alurahmen ist nicht mehr Zeitgemäß. Viel zu schwer. Nimm ein übliches Carbonframe oder von mir aus, wenn es besonders groß werden soll, eine Carbon-Rohrkonstruktion. Auch dazu gibt es genügend Frames auf dem Markt.

      Schwere Lasten tragen, groß und gleichzeitig leise, das kannst du vergessen. Leise ist kein Copter. An die Emissionen von einer DJI-Kameradrohne kommst du niemals ran, weil bei denen alles aufeinander optimiert ist.
      Effizient könntest du sein, dann muss aber der Copter möglichst leicht sein, die Motoren unterdimensioniert und die Rotoren überdimensioniert. Zusätzlich Li-Ionen-Akku. Lasten trägt man dann keine mehr damit.

      Ordentliche Flugdauer, definier das mal. Über 30 Minuten ist im Selbstbau nur mit extrem effizienten Leichtbau-Designs und Li-Ion drin. Kein Gerät, was für deine Anforderungen geeignet ist. 20 Minuten kann man mit Ionenakkus erreichen, Lasten tragen und Leistungsreserven hast du nur mit Li-Polymer-Akkus. Da ist die Flugzeit aber eher bei 5-15 Minuten.

      Kein DJI ist sehr einfach. Nimm einfach ELRS + irgendeine Funke auf EdgeTX-Basis.

      So, das wären alle deine Punkte gewesen, bis auf die Kamera.
      Für eine Kamera mit der Qualität wie an einer Kameradrohne von DJI musst du schon ein relativ schweres Gerät an einem Gimbal unter deinen Copter hängen. Das kannst du über Flightcontroller wie Inav oder Ardupilot erreichen, wird aber weder eine so stabile und präzise Bildausgabe wie DJI Fertigdrohnen liefern, noch Tracking oder Änderung der Bildparameter zulassen. Außer, du fängst auch an der Kamera an rumzubasteln, das wird aber schnell teuer und kompliziert.
      Wie schon gesagt, Inav oder Ardupilot sind deine einzigen beiden sinnvollen Lösungen dafür, die können auch GPS. Damit hält die Kiste seine Position aber nur relativ ungenau auf ~2m und wird viel herumwackeln.
      Damit sie auch so stabil wie eine DJI-Drohne fliegt, brauchst du noch einen optischen Flow-Sensor für das präzise Halten der Position und ein Lidar nach unten für das Halten der Höhe.

      Wo wir zum nächsten Punkt kommen, der Steuerung. Bisher fliegst du die imaginäre Drohne nur auf Sicht. Wenn du noch ein FPV-System haben willst, dann hast du aber keine Möglichkeit, bei digitalen Systemen die Kameras umzuschalten. Du fliegst dann ausschließlich mit nach vorne gerichteter Kamera oder ausschließlich mit einer am Gimbal befestigten Kamera. Analog ist für deinen Fall ungeeignet.

      Größe ist eigentlich nur abhängig von dem Zeug, was die Kiste tragen soll. 7" ist das untere Ende von dem, was ich als realistisch ansehe. Bei etwas mehr Last auch 7" im Octo-Design wie oben geschrieben oder gleich ab 10" aufwärts.

      Günstig wird nichts davon. Als Paket gibts auch nichts davon, außer du kaufst dir einen fertigen Cinelifter und baust den dann komplett auf deine Ansprüche um, dann wirds aber noch viel teurer.
      Rechne mit mindesten 800€ für den Copter, eher mehr. Bei dem, was ich denke, was du wirklich brauchst, liegst du eher um die 1000-2000€ für so ein Gerät. Und im Gegensatz zu jeder modernen DJI-Kameradrohne ist das dann ein relativ "dummes" Gerät. Alternativ klickst du dich mal im Wiki von Ardupilot auf die RTF-Geräte von deren Partnern. Leg dann aber noch mal ein paar Tausender obendrauf.

      Zuletzt das "kleine" Rechtsthema: Du wirst mit dem Gerät ausschließlich in A3 fliegen können. Weit weg von Menschen, Wohngebieten, Skipisten usw., auch über dem Meer keine Chance. Prinzipiell eigentlich nur über leeren Wiesen und Feldern. Informier dich vorher über die Limitierungen.

      Entspricht das alles dem, was du denkst?

      The post was edited 5 times, last by Schwurbelmeister ().

    • Mal ganz herzlichen Dank!
      Das ist in Kompression sehr toll geantwortet, ich habe nun reichlich Futter zum Denken und Entscheiden.
      Rechtlich: der Sachlage(n) bin ich mir bewußt, es wird im nichtöffentlichen Bereich mit Gestattung des Landeigners das Pilotseil / Zuggewicht geworfen. Über dem Boot offshore entscheide ich, da ist niemand sonst. Selbstverständlich mache ich den Schein und versichere.
      Den Ansatz Octa mit 4 x 2 hatte ich nicht auf dem Schirm, eine Idee.
      Jetzt muß ich erst mal den gesamten Stoff Deines Beitrages verarbeiten...
      Noch mal Danke! wg