Hi,
mit dem Release des X2D bin ich nun auch auf die dunkle Seite gewechselt, und habe mir einen eigenen Bambu Lab Drucker zugelegt. Die "Bambu Lab Experience" ist mir nicht neu, da wir auf der Arbeit einen X1 und einen H2 haben. Allerdings bediene ich die in der Regel nicht selbst, und sehe immer nur die gelungenen Ergebnisse.
Ich wollte neben meinen selbstgebauten Druckern einfach mal einen haben der zuverlässig funktioniert wenn ich ihn brauche, und mich nicht in Versuchung bringt alle 6 Wochen einen neuen Extruder auszuprobieren, oder ähnliches. Er kommt zwar in keinem einzigen Punkt an meinen Voron V2.4 heran, aber der 2.4 hat z.b. gerade keine Tür...aus Gründen...:D
Meine Anforderungen sind:
+ technische Materialien
+ Bauraumheizung
+ schnelles aufheizen
+ schnell wechselbare Düsen (bin halt verwöhnt...)
+ möglichst zwei Filamente im schnellen Wechsel drucken können, für Stützstrukturen
Was ich nicht brauche sind mehr als 2 Filamente, weil ich keine bunten Staubfänger drucke.
Dafür schien der X2D auf dem Papier zwar nicht ideal, weil er nur 300°C Düsentemperatur kann, aber durchaus ausreichend, und für den Preis von 630€, für das was er bietet ein echter No-Brainer!
Upselling is a thing, also habe ich natürlich noch 220€ für die überflüssige AMS drauf gelegt, die jetzt nach einer Woche schon nicht mal mehr angeschlossen ist.
- Die muss man für TPU eh umgehen, und mir fehlen die Gründe mir extra Arbeit zu machen, um sie immer wieder anzuschließen.
Die "Bambu Lab Experience" ist schon gut. Es ist durchaus beeindruckend wie leicht man ohne jegliche Vorkenntnisse zu passablen Ergebnissen kommt. Ich habe mich Anfangs mal bewusst völlig doof gestellt, und nur genau das gemacht was der Drucker bzw. das Bambu Studio von mir wollte, und hatte im Handumdrehen eine gelungene Benchy aus ASA in der Hand.
Bambu Lab Filament
Ich habe ein paar Rollen Bambu ASA gekauft, um das mal auszuprobieren. Davon bin ich ziemlich enttäuscht. Es druckt OK, aber nicht besonders gut. Erstaunlicherweise sahen die ersten Drucke mit meinem Extrudr Durapro ASA und dem Stock "Generic ASA" Profil schon besser aus als Drucke mit dem Bambu Filament, was wahrscheinlich hauptsächlich daran liegt, dass das Generic Profil deutlich langsamer druckt. (viel niedrigeres Flow Rate Limit, das man durchaus auch auf den gleichen Wert erhöhen kann wie im Bambu Profil). Noch bietet Extrudr kein vorgefertigten Profile für den X2D an, die kommen aber sicher bald. Ich habe diverse generische Profile mit PLA, ABS, ASA, TPU, PA und PC ausprobiert, und die haben alle out of the box sehr gut funktioniert. Somit war das für mich das erste und letzte Mal, dass ich Bambu Filament gekauft habe. Man zahlt hauptsächlich dafür mit dem RF-ID Chip drei Mausklicks zu sparen, und auch das nur wenn man die AMS benutzt.
Die Hilfsdüse
Feine Sache für Support, wer damit bunte Staubfänger drucken möchte, ist hier falsch!
Die Offset-Kalibrierung funktioniert sehr gut. Wer mal selbst versucht hat mehrere Düsen zueinander zu kalibrieren, der weiß dass man das eigentlich auf 1/100 hinbekommen muss, sonst bekommt man an Materialwechseln spürbare Kanten an den Druckteilen. Der Bambu bekommt das durchaus respektabel hin. Nicht perfekt, aber für diese Preisklasse schon extrem gut! Der muss sich in dieser Hinsicht nicht hinter einem H2D verstecken. Man muss man schon jenseits der 10.000€ ausgeben, um einen Drucker zu bekommen der das noch besser macht.
Aber die Hilfsdüse hat halt nur einen Bowdenextruder, und das macht sich vor allem dadurch bemerkbar dass Ecken nicht knackigt scharfkantig werden, sondern immer etwas rund gelutscht. Wenn scharfe Kanten an Druckteilen mit beiden Düsen gedruckt werden, passen sie nicht aufeinander. Vielleicht kann man hier mit PA Kalibrierung noch ein bisschen was verbessern, aber out of the box wird das nicht sehr ansehnlich. Die Hilfsdüse ist also wirklich ideal für Support, aber nicht für das eigentliche Druckteil geeignet.
Grundeinstellungen und Kalibrierung
Etwas verwundert hat mich, dass selbst bei den Bambu Filamenten keine Schrumpfkorrektur eingestellt ist. Allerdings scheinen das wohl auch andere Hersteller bei ihren Filamentprofilen nicht zu machen.
Unbedingt nötig ist auch eine PA Kalibrierung, die man für jedes Filament durchführen muss, aber vom Drucker oder Bambu Studio nie darauf hingewiesen wird. Ich hatte bei meinen ersten Druckteilen Lücken in dünnen Wänden, weil die PA Grundeinstellung so schlecht ist, und musste erst einmal googeln wie man PA an einem Bambu Drucker überhaupt einstellt. Das Bambu Studio hat dafür einen Wizzard, der quasi vollautomatisch durchläuft. Aber es fehlt irgendwie ein Hinweis für Neueinsteiger, dass sie das mit jedem Filament tun müssen. Es wundert mich ja sehr, dass PA selbst bei den Bambu Filamenten nicht voreingestellt ist, obwohl der Wert eigentlich Extruder- und Filamentspezifisch immer gleich sein sollte. (Eigentlich ist er IMO sogar Extruderspezifisch für alle starren Filamente gleich, aber dafür würde ich als Hersteller natürlich auch nicht garantieren....) Aber dass Bambu sogar bei seinem eigenen Filament sagt: "Miss das mal besser für jede Rolle extra ein." ist schon etwas merkwürdig.
Merkwürdig ist auch, dass die Kalibrierung der Resonazkompensation Teil des Print-Start Ablaufs ist, obwohl sich die Resonanzfrequenz ab Werk eigentlich nie wieder ändern sollte. Das war bestimmt eine Idee der Marketing Abteilung...bissle show machen, das kennt man ja als Produktentwickler...
Erwartend schlecht funktioniert die Kalibrierung der Z-Achse, wie bei jedem Drucker der das Bett mit der Düse abtastet. Dabei ist man eben von der Sauberkeit der Düse abhängig, und die ist vor allem mit technischen Filamenten immer ein Problem, weil die bei 140°C einfach noch nicht weich genug sind um platt gedrückt zu werden.
Und damit komme ich zu dem einen großen Problem, das ich mit diesem Drucker habe.
First Layer Squish und Betthaftung.
Mein X2D druckt den ersten Layer mit technischen Filamenten konsequent immer mindestend 0.05mm zu hoch, manchmal könnten es auch gute 0.2mm sein. Egal ob auf der Texturierten PEI oder der Engeniering Plate. Der erste Layer hat immer Lücken zwischen den Drucklinien, die Betthaftung ist dadurch ziemlich schlecht, und selbst eine Brim hilft nicht, weil sie aus einzelnen Linien besteht die keinen Kontakt zueinander oder zum Druckteil haben. (Ein Draft shield ist mit Bambu Studio scheinbar gänzlich unmöglich, das müsste man wohl per CAD ins Teil integrieren...)
Der erste Layer auf dem Druckbett sieht immer wesentlich schlechter aus als der erste Layer über einem Support Interface.
Ich versuche seit Tagen ein Gehäuse für einen Stealthburner zu drucken, und habe schon eine ganze Kiste voll fehlgeschlagener Versuche. Ab dem 10. Layer beginnen sich immer die Ecken hoch zu rollen.

Leider ist es durch das down scaling im Forum kaum noch zu erkennen, aber die Oberflächen der beiden äußeren Teile, die beim Druck auf dem Bett waren, sehen grausam schlecht aus. Man kann zwischen den Drucklinien zum 2. Layer hindurchschauen. Und die klaffenden Lücken in der Brim des mittleren Teils sind ja selbst bei der niedrigen Auflösung noch deutlich sichtbar. (Das Stringing beim mittleren Teil einfach ignorieren, da hatte ich versehentlich die Retraction aus.) Abgesehen davon, dass sich die Ecken vom Bett lösen und hoch ziehen, ist die Druckqualität eigentlich recht gut. Bridges haben noch Verbesserungspotential, die gehen ab ca 1cm Länge langsam schief.
Kein Babystepping
Der absolute Irrsinn ist, dass der Drucker gar keine Möglichkeit bietet den Z-Offset zu korrigieren. Bei jedem anderen Drucker kann man, wenn man sieht dass der erste Layer ein bisschen zu tief oder zu hoch ist, einfach schnell per Babystepping korrigieren. Diese Möglichkeit gibt es bei Bambu einfach nicht. Wenn der erste Layer nichts wird, dann wird er einfach nichts, und man kann eigentlich nur den Druck abrechen, neu starten, und HOFFEN dass es beim nächsten Versuch vielleicht etwas besser wird. Gut wird es aber nie, die Z-Kalibrierung ist IMMER bestenfalls um 0.05mm zu hoch, manchmal auch mehr. Ich vermte das liegt an Filamentrückständen an der Düse.
Man hat leider auch keine Möglichkeit die Düse einfach mal vorher manuell zu säubern, weil er während der Startprozedur ja wieder völlig unnötig poopen geht und sich dabei wieder einsaut.
Ich versuche gerade einen Workarround zu finden, so dass der Drucker immer erst ein winziges PLA Teil druckt, und somit zur Abtastung des Bettes am Anfang PLA geladen hat. Mit PLA funktioniert die Kalibrierung nämlich noch ganz gut, erst bei ASA gehen die Probleme los, und mit geladenem PC, das während der Abtastung noch nicht mal die Glasübergangstemperatur erreicht, funktioniert die Z-Kalibrierung gar nicht.
TPU ist auch so eine Sache...
Ich wusste vorher gar nicht, dass sich Bambu Drucker allgemein mit TPU so schwer tun. Man muss dazu die AMS und den Filamentpuffer umgehen, dann funktioniert es einigermaßen passabel. Lange FIlamentwege umgehen, muss ich bei meinen anderen Druckern allerdings auch. Die Ergebnisse des Bambu sind aber schon ziemlich schlecht. So heftiges Stringing habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Jetzt verstehe ich auch, weshalb Filamenttrocknung in den letzten Jahren so ein großes Thema geworden ist. IMO liegt das einfach daran dass mit völlig ungeeigneten Profilen gedruckt wird. Der macht bei TPU z-hops !!!
Und das mit dieser lahmen Spindel-Z-Achse. Kein Wunder dass das Zeug Fäden zieht, wenn der beim absetzen immer eine absolute Ewigkeit braucht um von A nach B zu kommen. Es ist doch seit Jahren etabliert, dass man z-hopping bei TPU vermeiden sollte, vor allem bei Druckern mit langsamer Z-Achse, um die Zeit in der es aus der Düse sabbern kann so kurz wie möglich zu halten.
Ohne Z-Hop klappt das schon wesentlich besser. Für noch bessere Ergebnisse müsste er sich bei Travel Moves einfach schneller bewegen. Ich wüsste gerne wie schnell er dabei wirklich ist. In den Profilen sind meist 1.000mm/s und 10.000mm/s² eingestellt. Gut, 10.000mm/s² ist auch nicht viel, aber selbst im Vergleich zu meinem großen Voron, den ich bei gleicher Beschleunigung nur mit max 450mm/s laufen lasse, wirkt der Bambu bei Travel irgendwie langsamer. Der Travel beim Drucken scheint auch langsamer zu sein als die Bewegungen die er während der Düsenreinigung macht. Weiß der Henker, welche EInschränkungen die Firmware da noch über den G-Code hat.
Es fehlt ab Werk ein richtiges Qualitäsprofil
Das Bambu Studio bietet ab Werk zwei Profile: "Standard" und "High Quality". Diese werden den Namen nicht gerecht. Das "Standard" Profil ist eher was für schnelle Probedrucke, und was Bambu als "High Quality" bezeichnet ist das was ich unter einem durchschnittlichen Ergebnis verstehe. "Standard" ist wenig nützlich, weil es gar nicht so viel schneller ist als "High Quality". Letzteres druckt IMO nämlich ziemlich schnell für ein Qualitätsprofil, und das sieht man den teilen auch an!
Mein Tipp: Eine Kopie vom High Quality Profil machen und dort einfach mal alle Gescwindigkeiten außer bei Infill halbieren, und dann klappt es auch mit richtig guten Drucken.
Fazit
Für den Preis ist das schon ein sehr guter Drucker, und wahrscheinlich der beste den man momentan kaufen kann. Man darf für diesen geringen Preis bei so viel Funktionsumfang aber auch nicht zu viel Leistung erwarten!
Er ist alles andere als ideal für technische Kunststoffe, hat damit sogar erhebliche Probleme. Er ist nicht ideal für Leute die bunten Firlefanz drucken wollen, denn die haben sehr wenig Nutzen von der Hilfsdüse. Was er richtig gut kann ist PLA, aber das können auch noch günstigere Drucker genau so gut.
Mit den mitgelieferten Profilen bekommt man durchaus akzeptable Ergebnisse. Für wirkliche gute Ergebnisse muss man diese aber genau so selbst tunen wie bei allen anderen Druckern auch.
Als Zweit- oder Dritt-Drucker ist er für mich mehr als ausreichend. Für bessere, größere, schneller, richtige Multimaterial-Drucke und Filamente bis 500°C habe ich ja noch meine beiden Voron, die, was man fairer Weise sagen muss, ja auch ein Vielfaches davon gekostet haben. Ich schätze in meinen V0 dürfte ich inzwischen um die 1500€ gesteckt haben, und der V2.4 wird mit Werkzeugwechsler schon weit jenseits der 2000€ liegen.
Wer den Drucker in erster Linie für TPU Teile an FPV Quads möchte, kann ruhig zugreifen. Dafür ist der X2D ideal. Spart euch die AMS, die könnt ihr mit TPU eh nicht benutzen. Nehmt oben die Glasplatte raus, und führt das Filament ohne Umwege direkt in den Extruder. Werft die z-hops aus den TPU Profilen raus, und dann bekommt ihr sehr gute Teile. Die Hilfsdüse für Supportfilament ist dann auch eine feine Sache. Support kann man bei TPU ja selbst für Bridges brauchen.
Ansonsten ist er bis ASA OK, Preis-Leistung angemessen, aber keine Eierlegende Wollmilchsau. Und für einen Drucker der gut PA und PC kann wird man wohl einfach mehr ausgeben müssen.
mit dem Release des X2D bin ich nun auch auf die dunkle Seite gewechselt, und habe mir einen eigenen Bambu Lab Drucker zugelegt. Die "Bambu Lab Experience" ist mir nicht neu, da wir auf der Arbeit einen X1 und einen H2 haben. Allerdings bediene ich die in der Regel nicht selbst, und sehe immer nur die gelungenen Ergebnisse.
Ich wollte neben meinen selbstgebauten Druckern einfach mal einen haben der zuverlässig funktioniert wenn ich ihn brauche, und mich nicht in Versuchung bringt alle 6 Wochen einen neuen Extruder auszuprobieren, oder ähnliches. Er kommt zwar in keinem einzigen Punkt an meinen Voron V2.4 heran, aber der 2.4 hat z.b. gerade keine Tür...aus Gründen...:D
Meine Anforderungen sind:
+ technische Materialien
+ Bauraumheizung
+ schnelles aufheizen
+ schnell wechselbare Düsen (bin halt verwöhnt...)
+ möglichst zwei Filamente im schnellen Wechsel drucken können, für Stützstrukturen
Was ich nicht brauche sind mehr als 2 Filamente, weil ich keine bunten Staubfänger drucke.
Dafür schien der X2D auf dem Papier zwar nicht ideal, weil er nur 300°C Düsentemperatur kann, aber durchaus ausreichend, und für den Preis von 630€, für das was er bietet ein echter No-Brainer!
Upselling is a thing, also habe ich natürlich noch 220€ für die überflüssige AMS drauf gelegt, die jetzt nach einer Woche schon nicht mal mehr angeschlossen ist.
- Die muss man für TPU eh umgehen, und mir fehlen die Gründe mir extra Arbeit zu machen, um sie immer wieder anzuschließen.Die "Bambu Lab Experience" ist schon gut. Es ist durchaus beeindruckend wie leicht man ohne jegliche Vorkenntnisse zu passablen Ergebnissen kommt. Ich habe mich Anfangs mal bewusst völlig doof gestellt, und nur genau das gemacht was der Drucker bzw. das Bambu Studio von mir wollte, und hatte im Handumdrehen eine gelungene Benchy aus ASA in der Hand.
Bambu Lab Filament
Ich habe ein paar Rollen Bambu ASA gekauft, um das mal auszuprobieren. Davon bin ich ziemlich enttäuscht. Es druckt OK, aber nicht besonders gut. Erstaunlicherweise sahen die ersten Drucke mit meinem Extrudr Durapro ASA und dem Stock "Generic ASA" Profil schon besser aus als Drucke mit dem Bambu Filament, was wahrscheinlich hauptsächlich daran liegt, dass das Generic Profil deutlich langsamer druckt. (viel niedrigeres Flow Rate Limit, das man durchaus auch auf den gleichen Wert erhöhen kann wie im Bambu Profil). Noch bietet Extrudr kein vorgefertigten Profile für den X2D an, die kommen aber sicher bald. Ich habe diverse generische Profile mit PLA, ABS, ASA, TPU, PA und PC ausprobiert, und die haben alle out of the box sehr gut funktioniert. Somit war das für mich das erste und letzte Mal, dass ich Bambu Filament gekauft habe. Man zahlt hauptsächlich dafür mit dem RF-ID Chip drei Mausklicks zu sparen, und auch das nur wenn man die AMS benutzt.
Die Hilfsdüse
Feine Sache für Support, wer damit bunte Staubfänger drucken möchte, ist hier falsch!
Die Offset-Kalibrierung funktioniert sehr gut. Wer mal selbst versucht hat mehrere Düsen zueinander zu kalibrieren, der weiß dass man das eigentlich auf 1/100 hinbekommen muss, sonst bekommt man an Materialwechseln spürbare Kanten an den Druckteilen. Der Bambu bekommt das durchaus respektabel hin. Nicht perfekt, aber für diese Preisklasse schon extrem gut! Der muss sich in dieser Hinsicht nicht hinter einem H2D verstecken. Man muss man schon jenseits der 10.000€ ausgeben, um einen Drucker zu bekommen der das noch besser macht.
Aber die Hilfsdüse hat halt nur einen Bowdenextruder, und das macht sich vor allem dadurch bemerkbar dass Ecken nicht knackigt scharfkantig werden, sondern immer etwas rund gelutscht. Wenn scharfe Kanten an Druckteilen mit beiden Düsen gedruckt werden, passen sie nicht aufeinander. Vielleicht kann man hier mit PA Kalibrierung noch ein bisschen was verbessern, aber out of the box wird das nicht sehr ansehnlich. Die Hilfsdüse ist also wirklich ideal für Support, aber nicht für das eigentliche Druckteil geeignet.
Grundeinstellungen und Kalibrierung
Etwas verwundert hat mich, dass selbst bei den Bambu Filamenten keine Schrumpfkorrektur eingestellt ist. Allerdings scheinen das wohl auch andere Hersteller bei ihren Filamentprofilen nicht zu machen.
Unbedingt nötig ist auch eine PA Kalibrierung, die man für jedes Filament durchführen muss, aber vom Drucker oder Bambu Studio nie darauf hingewiesen wird. Ich hatte bei meinen ersten Druckteilen Lücken in dünnen Wänden, weil die PA Grundeinstellung so schlecht ist, und musste erst einmal googeln wie man PA an einem Bambu Drucker überhaupt einstellt. Das Bambu Studio hat dafür einen Wizzard, der quasi vollautomatisch durchläuft. Aber es fehlt irgendwie ein Hinweis für Neueinsteiger, dass sie das mit jedem Filament tun müssen. Es wundert mich ja sehr, dass PA selbst bei den Bambu Filamenten nicht voreingestellt ist, obwohl der Wert eigentlich Extruder- und Filamentspezifisch immer gleich sein sollte. (Eigentlich ist er IMO sogar Extruderspezifisch für alle starren Filamente gleich, aber dafür würde ich als Hersteller natürlich auch nicht garantieren....) Aber dass Bambu sogar bei seinem eigenen Filament sagt: "Miss das mal besser für jede Rolle extra ein." ist schon etwas merkwürdig.
Merkwürdig ist auch, dass die Kalibrierung der Resonazkompensation Teil des Print-Start Ablaufs ist, obwohl sich die Resonanzfrequenz ab Werk eigentlich nie wieder ändern sollte. Das war bestimmt eine Idee der Marketing Abteilung...bissle show machen, das kennt man ja als Produktentwickler...
Erwartend schlecht funktioniert die Kalibrierung der Z-Achse, wie bei jedem Drucker der das Bett mit der Düse abtastet. Dabei ist man eben von der Sauberkeit der Düse abhängig, und die ist vor allem mit technischen Filamenten immer ein Problem, weil die bei 140°C einfach noch nicht weich genug sind um platt gedrückt zu werden.
Und damit komme ich zu dem einen großen Problem, das ich mit diesem Drucker habe.
First Layer Squish und Betthaftung.
Mein X2D druckt den ersten Layer mit technischen Filamenten konsequent immer mindestend 0.05mm zu hoch, manchmal könnten es auch gute 0.2mm sein. Egal ob auf der Texturierten PEI oder der Engeniering Plate. Der erste Layer hat immer Lücken zwischen den Drucklinien, die Betthaftung ist dadurch ziemlich schlecht, und selbst eine Brim hilft nicht, weil sie aus einzelnen Linien besteht die keinen Kontakt zueinander oder zum Druckteil haben. (Ein Draft shield ist mit Bambu Studio scheinbar gänzlich unmöglich, das müsste man wohl per CAD ins Teil integrieren...)
Der erste Layer auf dem Druckbett sieht immer wesentlich schlechter aus als der erste Layer über einem Support Interface.
Ich versuche seit Tagen ein Gehäuse für einen Stealthburner zu drucken, und habe schon eine ganze Kiste voll fehlgeschlagener Versuche. Ab dem 10. Layer beginnen sich immer die Ecken hoch zu rollen.
Leider ist es durch das down scaling im Forum kaum noch zu erkennen, aber die Oberflächen der beiden äußeren Teile, die beim Druck auf dem Bett waren, sehen grausam schlecht aus. Man kann zwischen den Drucklinien zum 2. Layer hindurchschauen. Und die klaffenden Lücken in der Brim des mittleren Teils sind ja selbst bei der niedrigen Auflösung noch deutlich sichtbar. (Das Stringing beim mittleren Teil einfach ignorieren, da hatte ich versehentlich die Retraction aus.) Abgesehen davon, dass sich die Ecken vom Bett lösen und hoch ziehen, ist die Druckqualität eigentlich recht gut. Bridges haben noch Verbesserungspotential, die gehen ab ca 1cm Länge langsam schief.
Kein Babystepping
Der absolute Irrsinn ist, dass der Drucker gar keine Möglichkeit bietet den Z-Offset zu korrigieren. Bei jedem anderen Drucker kann man, wenn man sieht dass der erste Layer ein bisschen zu tief oder zu hoch ist, einfach schnell per Babystepping korrigieren. Diese Möglichkeit gibt es bei Bambu einfach nicht. Wenn der erste Layer nichts wird, dann wird er einfach nichts, und man kann eigentlich nur den Druck abrechen, neu starten, und HOFFEN dass es beim nächsten Versuch vielleicht etwas besser wird. Gut wird es aber nie, die Z-Kalibrierung ist IMMER bestenfalls um 0.05mm zu hoch, manchmal auch mehr. Ich vermte das liegt an Filamentrückständen an der Düse.
Man hat leider auch keine Möglichkeit die Düse einfach mal vorher manuell zu säubern, weil er während der Startprozedur ja wieder völlig unnötig poopen geht und sich dabei wieder einsaut.
Ich versuche gerade einen Workarround zu finden, so dass der Drucker immer erst ein winziges PLA Teil druckt, und somit zur Abtastung des Bettes am Anfang PLA geladen hat. Mit PLA funktioniert die Kalibrierung nämlich noch ganz gut, erst bei ASA gehen die Probleme los, und mit geladenem PC, das während der Abtastung noch nicht mal die Glasübergangstemperatur erreicht, funktioniert die Z-Kalibrierung gar nicht.
TPU ist auch so eine Sache...
Ich wusste vorher gar nicht, dass sich Bambu Drucker allgemein mit TPU so schwer tun. Man muss dazu die AMS und den Filamentpuffer umgehen, dann funktioniert es einigermaßen passabel. Lange FIlamentwege umgehen, muss ich bei meinen anderen Druckern allerdings auch. Die Ergebnisse des Bambu sind aber schon ziemlich schlecht. So heftiges Stringing habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Jetzt verstehe ich auch, weshalb Filamenttrocknung in den letzten Jahren so ein großes Thema geworden ist. IMO liegt das einfach daran dass mit völlig ungeeigneten Profilen gedruckt wird. Der macht bei TPU z-hops !!!
Und das mit dieser lahmen Spindel-Z-Achse. Kein Wunder dass das Zeug Fäden zieht, wenn der beim absetzen immer eine absolute Ewigkeit braucht um von A nach B zu kommen. Es ist doch seit Jahren etabliert, dass man z-hopping bei TPU vermeiden sollte, vor allem bei Druckern mit langsamer Z-Achse, um die Zeit in der es aus der Düse sabbern kann so kurz wie möglich zu halten.
Ohne Z-Hop klappt das schon wesentlich besser. Für noch bessere Ergebnisse müsste er sich bei Travel Moves einfach schneller bewegen. Ich wüsste gerne wie schnell er dabei wirklich ist. In den Profilen sind meist 1.000mm/s und 10.000mm/s² eingestellt. Gut, 10.000mm/s² ist auch nicht viel, aber selbst im Vergleich zu meinem großen Voron, den ich bei gleicher Beschleunigung nur mit max 450mm/s laufen lasse, wirkt der Bambu bei Travel irgendwie langsamer. Der Travel beim Drucken scheint auch langsamer zu sein als die Bewegungen die er während der Düsenreinigung macht. Weiß der Henker, welche EInschränkungen die Firmware da noch über den G-Code hat.Es fehlt ab Werk ein richtiges Qualitäsprofil
Das Bambu Studio bietet ab Werk zwei Profile: "Standard" und "High Quality". Diese werden den Namen nicht gerecht. Das "Standard" Profil ist eher was für schnelle Probedrucke, und was Bambu als "High Quality" bezeichnet ist das was ich unter einem durchschnittlichen Ergebnis verstehe. "Standard" ist wenig nützlich, weil es gar nicht so viel schneller ist als "High Quality". Letzteres druckt IMO nämlich ziemlich schnell für ein Qualitätsprofil, und das sieht man den teilen auch an!
Mein Tipp: Eine Kopie vom High Quality Profil machen und dort einfach mal alle Gescwindigkeiten außer bei Infill halbieren, und dann klappt es auch mit richtig guten Drucken.
Fazit
Für den Preis ist das schon ein sehr guter Drucker, und wahrscheinlich der beste den man momentan kaufen kann. Man darf für diesen geringen Preis bei so viel Funktionsumfang aber auch nicht zu viel Leistung erwarten!
Er ist alles andere als ideal für technische Kunststoffe, hat damit sogar erhebliche Probleme. Er ist nicht ideal für Leute die bunten Firlefanz drucken wollen, denn die haben sehr wenig Nutzen von der Hilfsdüse. Was er richtig gut kann ist PLA, aber das können auch noch günstigere Drucker genau so gut.
Mit den mitgelieferten Profilen bekommt man durchaus akzeptable Ergebnisse. Für wirkliche gute Ergebnisse muss man diese aber genau so selbst tunen wie bei allen anderen Druckern auch.
Als Zweit- oder Dritt-Drucker ist er für mich mehr als ausreichend. Für bessere, größere, schneller, richtige Multimaterial-Drucke und Filamente bis 500°C habe ich ja noch meine beiden Voron, die, was man fairer Weise sagen muss, ja auch ein Vielfaches davon gekostet haben. Ich schätze in meinen V0 dürfte ich inzwischen um die 1500€ gesteckt haben, und der V2.4 wird mit Werkzeugwechsler schon weit jenseits der 2000€ liegen.
Wer den Drucker in erster Linie für TPU Teile an FPV Quads möchte, kann ruhig zugreifen. Dafür ist der X2D ideal. Spart euch die AMS, die könnt ihr mit TPU eh nicht benutzen. Nehmt oben die Glasplatte raus, und führt das Filament ohne Umwege direkt in den Extruder. Werft die z-hops aus den TPU Profilen raus, und dann bekommt ihr sehr gute Teile. Die Hilfsdüse für Supportfilament ist dann auch eine feine Sache. Support kann man bei TPU ja selbst für Bridges brauchen.
Ansonsten ist er bis ASA OK, Preis-Leistung angemessen, aber keine Eierlegende Wollmilchsau. Und für einen Drucker der gut PA und PC kann wird man wohl einfach mehr ausgeben müssen.
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